Wasserwerte im Koiteich
Ein Säuresturz kündigt sich am pH-Wert nicht an. Der pH bleibt wochenlang ruhig, weil die Karbonathärte die anfallende Säure abfängt, und fällt dann innerhalb weniger Stunden ab, sobald der Puffer aufgebraucht ist. Meistens passiert das nachts, wenn niemand am Teich steht.
Die Karbonathärte ist kein Wasserwert unter vielen, sondern der Stoßdämpfer des ganzen Systems. Hydrogencarbonat im Wasser bindet die Säure, die im Teich laufend entsteht, und hält den pH-Wert dabei praktisch unverändert. Jedes Milligramm Säure, das abgefangen wird, verbraucht jedoch ein Stück dieser Reserve. Der Vorgang läuft nur in eine Richtung: Karbonathärte wird verbraucht, nicht zurückgewonnen.
Solange Reserve vorhanden ist, sieht der Teich stabil aus. Der Tröpfchentest zeigt Woche für Woche denselben pH-Wert, und der Eindruck entsteht, es sei alles in Ordnung. Was sich in dieser Zeit verändert, ist nicht der pH, sondern die Pufferkapazität dahinter. Ist sie erschöpft, hat die nächste Portion Säure nichts mehr, woran sie sich abarbeiten könnte, und der pH-Wert fällt frei. Aus 7,5 werden dann innerhalb weniger Stunden Werte unter 6,0.
Es ist nicht ein einzelner Auslöser, sondern der Normalbetrieb eines besetzten Teichs. Drei der folgenden Quellen laufen rund um die Uhr, ob man hinsieht oder nicht.
| Quelle | Was dabei geschieht | Wann sie wirkt |
|---|---|---|
| Kiemenatmung der Fische | CO2 geht ins Wasser und bildet Kohlensäure | durchgehend, nachts am stärksten |
| Futterreste und Ausscheidungen | bakterieller Abbau setzt Säure frei | ständig, steigt mit Besatz und Futtermenge |
| Falllaub und Mulm am Boden | Zersetzung im Sediment säuert das Wasser an | vor allem Herbst und Winter |
| Nitrifikation im Filter | der Umbau von Ammonium über Nitrit zu Nitrat verbraucht Karbonathärte | ständig, im warmen Wasser am schnellsten |
| Regen und Schmelzwasser | verdünnt die Karbonathärte, ohne sie zu ersetzen | nach Starkregen und Tauwetter |
Bemerkenswert ist der Filter: Ausgerechnet die Biologie, die den Teich sauber hält, zehrt am Puffer. Ein gut laufender Filter verbraucht mehr Karbonathärte als ein schwacher. Wer den Filter also endlich im Griff hat, verliert die KH schneller als vorher.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Teiche verloren gehen. Der pH-Wert misst nicht, wie viel Säure schon angefallen ist, sondern nur, ob der Puffer sie noch aufnehmen kann. Ein Teich mit 8 °dKH und ein Teich mit 2 °dKH können am selben Vormittag denselben pH-Wert zeigen. Der eine hat Wochen Reserve, der andere Tage.
Ein konstanter pH-Wert ist damit ein nachlaufender Indikator. Er bewegt sich erst, wenn der Vorrat, der ihn festhielt, bereits aufgebraucht ist. Wer die Teichsicherheit am pH abliest, liest die Anzeige eines Tanks ab, der von voll direkt auf leer springt. Der Wert, der sich vorher bewegt, ist der KH-Wert, und der wird an vielen Teichen selten oder gar nicht gemessen.
Tagsüber betreiben Pflanzen und Algen Photosynthese und entziehen dem Wasser CO2. Nach Sonnenuntergang kehrt sich das um: Pflanzen und Algen atmen, die Fische atmen ohnehin, und das CO2 im Wasser steigt bis in die frühen Morgenstunden. In einem gepufferten Teich verschiebt das den pH-Wert um wenige Zehntel, was normal ist und niemanden stören muss.
Fehlt der Puffer, trifft dieser nächtliche CO2-Gipfel auf ein Wasser ohne Gegenwehr. Deshalb liegt der Zeitpunkt eines Säuresturzes selten am Nachmittag und fast immer zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang. Wer morgens an den Teich kommt, sieht nicht den Beginn des Ereignisses, sondern das Ergebnis von sechs oder acht Stunden.
Es gibt keine sichtbare Vorwarnung. Auffällig wird ein Säuresturz erst über das Verhalten der Fische, und dieses Verhalten setzt ein, wenn die Belastung bereits erheblich ist.
Wenn die Fische auffallen, ist der Säuresturz nicht mehr am Anfang. Ein pH-Wert, der über mehrere Stunden im Keller bleibt, ist für Koi tödlich. Der Zeitraum, in dem ein Eingriff noch etwas ändert, wird in Stunden gemessen, nicht in Tagen.
| Schritt | Maßnahme | Warum |
|---|---|---|
| 1 | KH und pH sofort messen | ohne beide Werte ist jede Maßnahme geraten; die KH sagt Ihnen, wie viel Zeit bleibt |
| 2 | Belüftung hochfahren, Ausströmer und Oberflächenbewegung dazu | treibt CO2 aus dem Wasser und sichert die Sauerstoffversorgung der geschwächten Fische |
| 3 | Fütterung einstellen | kein weiterer Säureeintrag, geringere Belastung für Filter und Fisch |
| 4 | Puffer in kleinen Schritten anheben, mit gelöstem Natriumhydrogencarbonat | stellt die Pufferwirkung wieder her; der pH folgt von allein |
| 5 | Zwischen den Schritten nachmessen | eine zu schnelle Bewegung nach oben ist selbst gefährlich |
| 6 | Ursache abstellen: Mulm, Laub, Besatz, Nachfüllwasser prüfen | sonst steht derselbe Teich in einigen Wochen wieder da |
Zum Aufhärten wird Natriumhydrogencarbonat, im Handel als Natron erhältlich, vorher vollständig in Teichwasser aufgelöst und dann verteilt eingebracht, nicht direkt in den Biofilter. Als Anhaltspunkt gilt rund 3 g pro 100 l für etwa 1 °dKH. Mehr als 1 bis 2 °dKH pro Tag sollten es nicht sein, und nach jedem Schritt wird nachgemessen, bevor der nächste folgt.
Steuern Sie nicht den pH-Wert direkt nach. pH-Plus-Präparate heben die Anzeige an, ohne den fehlenden Puffer zu ersetzen, und der Wert fällt in der nächsten Nacht erneut. Schlimmer noch: Ein schneller pH-Anstieg ist für sich genommen gefährlich, weil Ammonium mit steigendem pH in giftiges Ammoniak übergeht. In einem Teich, in dem die Filterbiologie ohnehin gelitten hat, kann genau das die Fische kosten, die den Säuresturz überstanden hätten.
Die genannten Mengen sind die in der Koihaltung übliche Faustregel — weit verbreitet, gut eingeführt und ein vernünftiger Ausgangspunkt. Eine Vorschrift für Ihren Teich sind sie nicht. Kein Teich rechnet wie der nächste: Das Volumen ist in der Praxis fast immer geschätzt und selten wirklich bekannt, dazu kommen das Füllwasser, der bereits vorhandene Puffer, der gelöste Kohlendioxidgehalt sowie Besatz, Fütterung und Filterleistung. Jeder dieser Punkte verschiebt das Ergebnis.
Rechnen Sie deshalb mit Ihrem Teich, beginnen Sie niedriger, als Sie es für nötig halten, messen Sie nach und korrigieren Sie in kleinen Schritten. Steht ein Teich bereits unter Druck — auffälliges Verhalten, kranke Fische, Werte im kritischen Bereich —, ziehen Sie einen fischkundigen Tierarzt oder einen erfahrenen Koi-Gesundheitsberater hinzu, bevor Sie dosieren.
Ein Säuresturz ist kein Unglück, das einen Teich zufällig trifft, sondern das planmäßige Ende einer Reserve, die nie nachgefüllt wurde. Der klassische Fall ist der ältere, gepflegte Teich, an dem seit Jahren alles gut läuft und an dem die Karbonathärte nie ein Thema war.
| KH-Wert | Pufferlage | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| unter 3 °dKH | praktisch keine Reserve mehr | akut; täglich messen und kontrolliert aufhärten |
| 3 bis 5 °dKH | Reserve knapp, der pH beginnt über den Tag zu schwanken | zügig anheben und die Ursache suchen |
| 6 bis 10 °dKH | Zielbereich für den Koiteich, rund 105 bis 180 mg/l | halten und regelmäßig kontrollieren |
| über 10 °dKH | sehr stabil, der pH liegt meist im oberen Bereich | unkritisch; bei hohem pH auf Ammoniak achten |
Praktisch heißt das: 6 bis 10 °dKH halten, eine Karbonatreserve im Filterlauf vorsehen, und nach Starkregen sowie nach jedem größeren Wasserwechsel nachmessen. Die Zusammenhänge, die dahinterstehen, und wie sich die KH dauerhaft stabil halten lässt, sind auf der Seite zum KH-Wert im Teich ausführlich beschrieben.
Wo ein Teich ohnehin regelmäßig Frischwasser braucht, nimmt ein automatisierter Wasserwechsel dem Betreiber die Schwankungen aus dem System, weil kleine Mengen kontinuierlich statt großer Mengen selten getauscht werden. H2Koi plant und baut solche Anlagen individuell; ein zweites System, das das für Koiteiche tut, haben wir bisher nicht gefunden.
Der übliche Rhythmus ist der Tröpfchentest am Wochenende, vielleicht mittwochs noch einmal. Das ist deutlich mehr, als die meisten Teiche sehen, und es reicht trotzdem nicht, weil zwei Dinge zusammenkommen.
Erstens verändert sich in der Woche vor dem Ereignis genau der Wert, den man nicht ansieht. Der pH bleibt ruhig, während die KH still abnimmt. Zweitens fällt das Ereignis selbst in ein Zeitfenster, in dem ohnehin nicht gemessen wird. Zwischen dem Test am Samstagvormittag und dem Test am Mittwoch liegen vier Nächte. In einer davon kann der pH von 7,5 auf unter 6,0 gehen und am Morgen bereits wieder etwas höher stehen, weil die Belüftung und der beginnende Tag CO2 ausgetrieben haben. Man sieht dann tote Fische und einen unauffälligen Messwert.
Eine Stichprobe sagt, wo der Teich in dem Moment stand, in dem man gemessen hat. Sie sagt nichts über die Richtung und nichts über die Nacht. Genau deshalb ist die Frage nicht, wie oft man misst, sondern ob man die Bewegung sieht, bevor sie an einem Grenzwert ankommt.
Was H2Koi hier leistet und was nicht. Die Sonde misst kontinuierlich im Teich und meldet die Entwicklung, statt eine Momentaufnahme zu liefern: pH und Temperatur über den Tag- und Nachtverlauf, Sauerstoff, Leitfähigkeit, Trübung, Ammonium (NH4) und Nitrat (NO3); das Redoxpotenzial (ORP) ist optional erhältlich. Die Karbonathärte wird dabei als abgeleiteter Rechenwert im Bereich 0 bis 20 °dKH ausgegeben, nicht titriert. Ein sinkender Trend über Wochen und eine sich vergrößernde Tag-Nacht-Spanne im pH sind sichtbar, bevor eine einzelne Messung auffällig wird.
Was das System nicht ist: keine GH-Messung. Es erkennt weder Krankheiten noch Parasiten, und es verhindert nichts. Es ist eine kontinuierliche Frühwarnung aus Sensorik in Industriequalität; was am Teich geschieht, entscheiden Sie.
Ein Teich, der einen Säuresturz hinter sich hat, ist nicht mit dem wiederhergestellten pH-Wert fertig. Die Filterbakterien arbeiten im sauren Wasser schlecht bis gar nicht, weshalb in den Tagen danach Ammonium und Nitrit ansteigen können, obwohl der pH längst wieder passt. Messen Sie diese beiden Werte in der Woche nach dem Ereignis täglich mit, füttern Sie zurückhaltend an, und lassen Sie die Belüftung laufen. Überlebende Fische zeigen Kiemenschäden oft erst mit einigen Tagen Verzögerung.
Der plötzliche Absturz des pH-Werts, wenn die Karbonathärte als Puffer aufgebraucht ist. Solange KH vorhanden ist, fängt sie die laufend entstehende Säure ab und der pH bleibt stabil. Ist sie verbraucht, fällt der pH innerhalb weniger Stunden ab, häufig von 7,5 auf unter 6,0. Für Koi ist dieser Zustand über mehrere Stunden tödlich.
Weil Pflanzen und Algen nachts keine Photosynthese betreiben, sondern atmen. Zusammen mit den Fischen erzeugen sie CO2, das sich bis zum Morgen im Wasser anreichert und als Kohlensäure wirkt. In einem gut gepufferten Teich sind das wenige Zehntel pH über die Nacht. Fehlt der Puffer, trifft dieser Gipfel auf ein Wasser ohne Gegenwehr, und daraus wird ein Absturz.
Nein. Ein konstanter pH-Wert zeigt nur, dass noch Puffer vorhanden ist, nicht wie viel. Er ist ein nachlaufender Wert und bewegt sich erst, wenn die Reserve bereits weg ist. Aussagekräftig ist der KH-Wert. Wer den pH kontrolliert, aber die Karbonathärte nicht, misst genau den Wert, der sich als Letztes rührt.
Davon ist abzuraten. Solche Mittel heben die Anzeige an, ersetzen aber den fehlenden Puffer nicht, sodass der Wert in der nächsten Nacht erneut fällt. Zusätzlich ist ein schneller pH-Anstieg selbst riskant, weil Ammonium mit steigendem pH in giftiges Ammoniak übergeht. Der richtige Weg führt über die Karbonathärte in kleinen, kontrollierten Schritten.
Als Anhaltspunkt rund 3 g Natriumhydrogencarbonat pro 100 l für etwa 1 °dKH. Das Natron wird vorher vollständig in Teichwasser aufgelöst und verteilt eingebracht, nicht direkt in den Biofilter. Erhöhen Sie höchstens 1 bis 2 °dKH pro Tag und messen Sie zwischen den Schritten nach; eine schnelle Bewegung des pH-Werts ist für die Fische belastender als ein niedriger, aber stabiler Wert.
6 bis 10 °dKH sind ein guter Zielbereich, das entspricht etwa 105 bis 180 mg/l. Unter 5 °dKH beginnt der pH über den Tag zu schwanken, unter 3 °dKH ist praktisch keine Reserve mehr vorhanden. Kontrollieren Sie den Wert regelmäßig, besonders nach Starkregen, nach längeren Warmphasen mit hoher Filterleistung und im Herbst, wenn Laub in den Teich kommt.
Wenn mehrere Tiere in derselben Nacht oder innerhalb weniger Tage sterben, ohne dass Parasiten, Geschwüre oder andere Krankheitszeichen sichtbar sind, gehört ein Säuresturz zu den ersten Verdachtsmomenten. Messen Sie KH und pH, bevor Sie behandeln. Der pH kann am Morgen bereits wieder unauffällig aussehen; ein niedriger KH-Wert zeigt, was in der Nacht möglich war.
H2Koi überwacht Koiteiche kontinuierlich und meldet Entwicklungen, solange sie sich noch korrigieren lassen. Was das für Ihren Teich bedeutet, besprechen wir gern in Ruhe.
Mehr über H2Koi