Ratgeber Wasserwerte
Der Fisch lag morgens am Boden oder trieb an der Oberfläche, gestern hat er noch normal gefressen, und am Körper ist nichts zu sehen. Das ist der häufigste Notfall in der Koihaltung – und in den meisten Fällen lässt sich der Auslöser hinterher an einer Zahl festmachen, die in der Nacht kurz im falschen Bereich stand. Diese Seite geht die Ursachen der Reihe nach durch, ehrlich sortiert nach Häufigkeit, und sagt auch, welche davon mit dem Wasser gar nichts zu tun haben.
Solange die Ursache unklar ist, gilt eine feste Reihenfolge. Sie kostet nichts und schadet in keinem Szenario:
Nicht aufhärten, bevor Sie Ammonium gemessen haben. Bei niedrigem pH liegt Stickstoff überwiegend als vergleichsweise harmloses Ammonium vor. Wer nach einem Säuresturz sofort KH und pH anhebt, verschiebt einen Teil davon in giftiges Ammoniak – und tötet damit die Fische, die den pH-Absturz überlebt haben. Erst messen, dann in kleinen Schritten über mehrere Tage aufhärten.
Warmes Wasser löst weniger Sauerstoff als kaltes, und gleichzeitig steigt der Bedarf der Fische mit der Temperatur. Dazu kommt die Zehrung: Algen und Pflanzen produzieren tagsüber Sauerstoff, nachts verbrauchen sie ihn – zusammen mit den Filterbakterien und dem Bodensatz. Ein dicht bepflanzter oder veralgter Teich kann tagsüber übersättigt sein und morgens trotzdem im kritischen Bereich liegen.
Typische Auslöser sind die ersten wirklich heißen Nächte, eine Algenblüte, ein plötzlich abgestorbener Fadenalgenteppich, eine ausgefallene Pumpe – und schlicht mehr Fisch im Teich als letztes Jahr.
| Uhrzeit | Was im Teich passiert | Sauerstoff |
|---|---|---|
| 14 Uhr | Photosynthese auf Höchststand | Maximum, oft übersättigt |
| 20 Uhr | Produktion endet, Zehrung läuft weiter | fällt |
| 02 Uhr | nur noch Verbrauch: Fische, Bakterien, Pflanzen | fällt weiter |
| 05 Uhr | Tagestiefstwert | Minimum – hier passiert es |
| 09 Uhr | Sie finden den Fisch und messen | längst wieder gestiegen |
Genau deshalb steht in so vielen Forenbeiträgen der Satz, die Wasserwerte seien in Ordnung gewesen. Sie waren es – um neun Uhr morgens.
Die Karbonathärte ist der Puffer, der den pH-Wert festhält. Nitrifikation im Filter, Bodenschlamm und jeder Regenschauer zehren sie auf. Unter 5 °dKH verliert das Wasser seine Pufferwirkung, unter 3 °dKH ist praktisch keine Reserve mehr vorhanden – dann kann der pH-Wert über Nacht von 7,5 auf unter 6 abstürzen. Für Koi ist das akut tödlich, und man sieht dem Wasser nichts an.
Der KH-Wert ist der einzige Wert auf dieser Seite, der sich langsam und vorhersagbar bewegt – er fällt über Wochen, nicht über Nacht. Wer ihn im Blick behält, sieht den Säuresturz kommen. Mehr dazu auf unserer Seite zum KH-Wert im Teich.
Der Biofilter ist eine lebende Bakterienpopulation. Alles, was sie schädigt, erzeugt binnen Tagen eine Spitze:
Wichtig ist die pH-Abhängigkeit: Erst oberhalb von etwa pH 8 kippt ein nennenswerter Anteil Ammonium in giftiges Ammoniak. Ein Ammoniumwert ist also ohne den zugehörigen pH-Wert und die Temperatur nicht zu beurteilen.
Ein Sprung von mehr als drei bis vier Grad an einem Tag ist Stress, ein größerer ist gefährlich – etwa nach einem großen Wasserwechsel mit kaltem Leitungswasser oder beim Durchzug einer Kaltfront nach einer Hitzewoche.
Gewitter sind der ungünstigste Fall, weil sie mehrere Werte gleichzeitig bewegen. Regenwasser ist praktisch härtefrei und süßt den Teich aus: die KH sinkt, der pH folgt. Der Luftdruckabfall und die warme Regenfront drücken den Sauerstoff. Gleichzeitig wird der Bodensatz aufgewirbelt, was zusätzlich zehrt. Nach einer Gewitternacht sollten KH, pH und Sauerstoff gemessen werden, auch wenn der Teich unauffällig aussieht.
| Ursache | Wann sie zuschlägt | Woran Sie es sehen | Messbar an |
|---|---|---|---|
| Sauerstoffmangel | heiße Nächte, 03–07 Uhr | Fische am Einlauf, schnappen an der Oberfläche | Sauerstoff, Temperatur |
| Säuresturz | nach Regenperioden, bei niedriger KH | Taumeln, trübe Schleimhaut, plötzlicher Totalausfall | pH, KH |
| Ammoniak-/Nitritspitze | 1–14 Tage nach Filtereingriff, Besatz, Medikament | apathisch, schnelle Kiemenbewegung, Fressunlust | pH, Ammonium, Nitrit |
| Temperatursprung | Wasserwechsel, Kaltfront, Hitzewelle | liegen am Boden, fressen nicht | Temperatur |
| Gewitter, Starkregen | Stunden bis zwei Tage danach | Wasser trüb, Bodensatz aufgewirbelt | pH, KH, Sauerstoff, Trübung |
| Wert | Zielbereich | kritisch |
|---|---|---|
| Sauerstoff | über 7 mg/l, auch nachts | unter 5 mg/l |
| pH | 7,0 bis 8,5, Tagesgang unter 0,5 | Absturz um mehr als 0,5 an einem Tag |
| KH (Karbonathärte) | 6 bis 10 °dKH; 1 °dKH entspricht rund 17,9 mg/l als Calciumcarbonat | unter 5 °dKH unruhig, unter 3 °dKH keine Reserve mehr |
| Ammoniak (NH₃) | nicht nachweisbar | jeder messbare Wert |
| Nitrit | nicht nachweisbar | jeder messbare Wert |
| Temperatur | Tagesgang unter 3 °C | Sprung über 5 °C |
Ein erheblicher Teil der plötzlichen Todesfälle hat mit den Wasserwerten nichts zu tun, und es wäre unredlich, das anders darzustellen. Häufig sind:
Keiner dieser Punkte ist über Wasserwerte zu erkennen. H2Koi erkennt davon nichts. Bei Verdacht gehört der Fall zu einem fischkundigen Tierarzt.
Die messbaren Ursachen haben eine unangenehme Gemeinsamkeit: Sie treten nachts und am frühen Morgen auf, und sie haben sich bis zum Frühstück wieder erholt. Ein Tröpfchentest am Samstagvormittag ist eine Momentaufnahme aus dem günstigsten Zeitfenster der Woche. Er kann korrekt sein und trotzdem nichts über die Nacht aussagen, in der der Sauerstoff auf 3 mg/l gefallen ist oder der pH-Wert um eine ganze Stufe abgesackt ist.
Was fehlt, ist Kontinuität – und der Blick auf die Richtung, in die sich ein Wert bewegt. Ein KH-Wert, der über sechs Wochen von 9 auf 4 °dKH gefallen ist, ist eine Warnung. Derselbe Wert einmalig gemessen ist nur eine Zahl.
Was H2Koi tut – und was nicht. H2Koi misst kontinuierlich im Teich: Temperatur, Sauerstoff, pH, Leitfähigkeit, Trübung, Ammonium (NH4) und Nitrat (NO3). Das Redoxpotenzial (ORP) ist optional erhältlich. Ammoniak (NH3), Nitrit, Salzgehalt, TDS und die Karbonathärte werden daraus berechnet; die KH wird als abgeleiteter Wert von 0 bis 20 °dKH ausgegeben, nicht als Titration. GH gibt H2Koi gar nicht aus.
Das System ist eine durchgehende Frühwarnung aus Sensorik in Industriequalität. Es erkennt keine Krankheiten, keine Parasiten und keine Verletzungen, und es verhindert nichts von selbst. Es zeigt Ihnen, dass der Sauerstoff seit vier Nächten immer tiefer fällt oder die KH seit einem Monat abbaut, solange sich daran noch etwas ändern lässt.
Für Teiche, bei denen der Wasserwechsel selbst Teil der Stabilität ist, bauen wir daneben maßgeschneiderte automatische Wasserwechsel-Anlagen. Ein vergleichbares System für Koiteiche haben wir bisher bei niemandem gefunden.
Weil die Werte, die Sie am Morgen messen, nicht die Werte der Nacht sind. Sauerstoff erreicht seinen Tiefstwert gegen fünf Uhr und ist um neun Uhr wieder deutlich höher. Auch ein pH-Absturz kann sich im Tagesverlauf teilweise erholen. Messen Sie an den nächsten Tagen einmal in der Dämmerung vor Sonnenaufgang – das ist der Wert, der zählt.
Die Fische stehen morgens dicht am Filterrücklauf, am Bachlauf oder an der Oberfläche und schnappen sichtbar nach Luft, die Kiemenbewegung ist schnell und weit. Gefressen wird nicht. Wenn Sie das sehen, ist der Wert bereits kritisch – zuerst belüften, dann messen.
Sehr schnell. Ist die Karbonathärte aufgebraucht, kann der pH-Wert innerhalb weniger Stunden von 7,5 auf unter 6 fallen. In diesem Tempo kann sich der Fisch nicht anpassen. Es kommt vor, dass mehrere Tiere in derselben Nacht sterben, während der Teich am Vortag völlig unauffällig war.
20 bis 30 Prozent, temperaturgleich und mit aufbereitetem Leitungswasser, gegebenenfalls über mehrere Tage wiederholt. Größere Wechsel auf einen Schlag bringen zusätzlichen Temperatur- und Chemiestress. Parallel Fütterung aussetzen, kräftig belüften und die Ursache abstellen, sonst ist die Spitze in zwei Tagen wieder da.
Ja, vor allem KH und pH. Regenwasser ist praktisch härtefrei und süßt den Teich aus, wodurch die Pufferwirkung sinkt. Bei mehreren Tagen Starkregen lohnt sich die Kontrolle auch dann, wenn der Teich klar aussieht. Sauerstoff gehört ebenfalls dazu, weil aufgewirbelter Bodensatz zusätzlich zehrt.
Dann ist die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht im Wasser zu suchen: Parasiten, bakterielle Infektionen, Laicherschöpfung, Verletzungen oder Reiher. Ein Haut- und Kiemenabstrich beim fischkundigen Tierarzt bringt hier innerhalb kurzer Zeit Klarheit. Wasserwerte auszuschließen ist sinnvoll, aber es ist nur der halbe Weg.
Unter 5 °dKH beginnt der pH-Wert über den Tag zu schwanken, unter 3 °dKH ist praktisch keine Reserve mehr vorhanden – dann kann ein Regenschauer oder eine intensive Algenphase den pH-Wert kippen. Als Zielbereich haben sich 6 bis 10 °dKH bewährt, das entspricht etwa 105 bis 180 mg/l als Calciumcarbonat. Wichtiger als der Momentwert ist der Trend: Eine KH, die über Wochen fällt, kündigt den Säuresturz an.
Die Ursachen, die sich messen lassen, treten dann auf, wenn niemand am Teich steht. H2Koi misst durchgehend und meldet, wenn ein Wert in die falsche Richtung läuft – als Frühwarnung aus Sensorik in Industriequalität.
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